VN2003-3

Editorial von Erwin Kessler, Präsident VgT:

Gefühlswesen und Gefühlskälte

Für mich sind Tiere Gefühlswesen, ähnlich wie kleine Kinder. Ein Hund, ein Kalb, ein Schaf oder ein Schwein erlebt die Welt ähnlich wie ein Kleinkind und ist auch ähnlich hilflos den erwachsenen Menschen ausgeliefert. Wenn Sie einem solchen Wesen wirklich aufmerksam in die Augen schauen, können Sie sehen, wie es liebevolle Zuwendung sucht und Angst hat vor Misshandlung, Einsamkeit und Verlassenheit. Sie werden das gleiche Staunen, die gleiche Hoffnung oder Angst sehen wie in Kinderaugen. Darum setze ich mich dafür ein, dass diese empfindsamen Wesen, die Glück, Leid und Trauer ähnlich erleben wie wir, ähnlich vor Quälereien aller Art geschützt werden, wie kleine Kinder. So wie wir unsere Kinder und unseren Hund lieben und vor Schmerzen und Leiden schützen, so sollten wir auch die sogenannten Nutztiere als empfindsame Lebewesen achten und schützen. Jeder kann ganz einfachen einen grossen Beitrag dazu leisten: Essen Sie vegetarisch - Ihrer Gesundheit und den Tieren zuliebe!

Das gilt besonders auch für Juden, die glauben, Schächtfleisch essen zu müssen, dh Fleisch von Tieren, die bei vollem Bewusstsein geschlachtet wurden. In der öffentlichen Diskussion um das Schächten tun jüdische Kreise so, als gefährde die Betäubungspflicht beim Schlachten geradezu die Existenz der Juden überhaupt. Von Antisemitismus und Auswandern-müssen ist die Rede in der jüdischen Presse. In Wirklichkeit ist das Einzige, was ich und andere Tierschützer und die grosse Mehrheit der Schweizer Bevölkerung verlangen, nur, dass die Tiere vor dem Schächten betäubt werden. Ist das zuviel verlangt? Wenn das mit Antisemitismus gleichgesetzt wird, ist mir das inzwischen egal. Da hat sich offenbar einfach der Wortsinn gewandelt.

Es ist schockierend, mit welcher Gefühlskälte die Schächt-Juden sich gegen die Betäubungspflicht auflehnen und nicht bereit sind, sich auch nur um Haaresbreite unserer humanistischen Kultur anzupassen. Es gibt in der Schweiz nur etwa 3000 Schächtjuden, d.h. Juden, welche die Schächttradition befolgen. Ihren starken politischen Einfluss erhalten sie durch die befremdliche `Solidarität` der so genannten liberalen Juden, die über grosse wirtschaftliche und politische Macht verfügen - nicht zuletzt wegen der Feigheit und Unterwürfigkeit der Nichtjuden in Regierung, Politik und Justiz. Ich finde es ungeheuerlich, wie rücksichtslos diese kleine Minderheit mit den Gefühlen ihrer nichtjüdischen Mitbürger umgeht, denen das Wissen um dieses Zu-Tode-Foltern empfindsamer Geschöpfe, Seelenqualen bereitet.

Die Schächtjuden, welche die Tiere vor dem Schächten um keinen Preis betäuben wollen, könnten sich gesund und preisgünstig vegetarisch ernähren. Damit hätten sie weder mit ihrer Religion noch mit der nichtjüdischen, tierliebenden Bevölkerung ein Problem. Aber es scheint mir manchmal, dass gewisse jüdische Kreise mit aller Gewalt Antisemitismus provozieren wollen, weil sie befürchten, ohne ihr dauerndes Klagen über angeblichen Antisemitismus ihre Identität und ihre Vorrechte zu verlieren.

Menschen, die an Gefühlskälte, krankhaft übersteigertem Egoismus, paranoidem Geltungswahn oder religiösem Fanatismus leiden und nicht zu erkennen vermögen, dass höhere Säugetiere Gefühlswesen sind, die Ähnliches fühlen und erleben wie sie selber, besetzen wichtige Posten in Politik und Wirtschaft. Entsprechend geht es auf dieser Welt zu und her - mit düsteren Aussichten. Und weil ich mich nicht einschüchtern lasse, diese Massenverbrechen immer wieder schonungslos aufzudecken, werde ich mit Staatsterror und mit einer politischen Justizwillkür verfolgt, die erschreckend an faschistische Regime erinnert. Lesen sie mehr dazu in dieser Ausgabe. Sicher, das ist so wenig eine angenehme Leküre wie das aufgezeigte Tierelend, aber die Naivität der Bürger, das Wegschauen und das egoistische Nur-für-sich-schauen ist der Untergang der Demokratie und der menschlichen Kultur. Überlassen wir die Welt nicht den Barbaren und Bush-Affen!


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