VgT-Dokumentationen

Tier-Mensch-Vergleich

Vorbemerkung:

Neben den jüdischen und diesen nahestehenden Kreisen, welche den Holocaust und die Konzentrationslager als derart einzigartig angesehen haben wollen, dass im Vornherein kein Vergleich mit anderen Massenverbrechen zulässig sei, gibt es das andere Extrem derjenigen, welche den Vergleich mit der Begründung kritisieren, den Holocaust und die Konzentrationslager habe es in der Form, wie offiziell dargestellt, gar nie gegeben. Beide - diametralen - Argumentationen weise ich zurück: An der Existenz furchtbarer Nazi-KZs kann man aufgrund der vielen glaubhaften Zeugenberichte nicht im Ernst zweifeln; und mehr setzen meine Vergleiche mit Tier-KZs nicht voraus. Ich habe zwar Verständnis für die Zweifler an der staatlich diktierten Geschichtsschreibung der Judenverfolgung durch die Nazis. Allein schon, dass diese mit dem Strafgesetz vor anderen historischen Auffassungen verteidigt wird, wecken Zweifel. Eine mit Gefängnisdrohungen gegen andere Meinungen durchgesetzte Wahrheit ist für mich im vornherein gar keine Wahrheit. Aber es interessiert micht nicht besonders, auf welche Weise und wieviele Millionen Juden tatsächlich umgekommen sind. Ein schreckliches Massenverbrechen war die Nazi-Diktatur auf jeden Fall. Dass von der nicht weniger schrecklichen Stalin-Diktatur kaum die Rede ist, hängt offensichtlich mit jüdischen Interessen zusammenen (siehe das Buch "Die Holocaustindustrie" des jüdischen amerikanischen Politologen Norman Finkelstein). Diese Interessengesteuerte und mit dem Strafrecht durchgesetzte Geschichtsschreibung ist sicher eine Schande für unsere Demokratie und für unseren Rechtsstaat - aber nicht die einzige (siehe auch www.vgt.ch/justizwillkuer). Aber wie gesagt, wie es damals im Detail tatsächlich war, finde ich keine so interessante Frage, als dass ich daran viel Energie verschwenden möchte, umso mehr als ich meine publizistische Tätigkeit grundsätzlich auf tierschutzrelevante Themen beschränke. Das war auch der Grund, dass auf staatlichen Druck hin (Gefängnisdrohung) meinen Bericht über den sogenannten Holocaustleugner Jürgen Graf gelöscht habe. Das einzige mal, dass ich dieser staatlichen Erpressung nachgegeben habe. Bei für den Tierschutz relevanteren Themen bin ich nicht erpressbar und nehme lieber Strafverfolgungen inkauf, als zu Widerrufen. Schlimmer als Gefängnis wäre die Tatsache zu ertragen, dass sich keine Stimme mehr laut und hörbar gegen das tägliche Massenverbrechen an den Nutztieren erheben würde.

Erwin Kessler, Gründer und Präsident des VgT

 

Inhaltsverzeichnis:

Geht der Vergleich zu weit? (Emma Januar 2006)

Wahrheitsverachtend - zur Kritik am Holocaust-Vergleich (von Helmut Kaplan)

Justizterror gegen den für die Heuchler und Tierausbeuter unbequemen Tier-Mensch Vergleich (von Erwin Kessler)

Der jüdische Literatur-Nobelpreisträger Isaac Bashevis Singer vergleicht den Umgang mit Tieren mit Naziverbrechen

Der Tier-KZ-Prozess


 

Wahrheitsverachtend!

von Helmut Kaplan (www.tierrechte-kaplan.org)

Die Kritik an PETAs Holocaust-Vergleich ist gefährlicher Unsinn

Die Kritik an der Peta-Kampagne besteht aus einer Serie von Vorurteilen und Fehlern. Während den Befürwortern der Kampagne fälschlicherweise Menschenverachtung vorgeworfen wird, betreiben die Gegner der Kampagne in Wirklichkeit Wahrheitsverachtung.

Antisemitismus

Der Vorwurf des Antisemitismus ist dumm, böswillig oder beides. Schließlich waren es ja nicht nur Juden, die von den Nationalsozialisten verfolgt und vernichtet wurden. Auch Christen, "Zigeuner", Homosexuelle und viele andere waren Opfer des NS-Terrors. Die Tierrechtsbewegung lehnt jede Reihung oder Wertung der Opfer ab. Denn dies wäre de facto nichts anderes als die Fortsetzung des NS-Rassismus mit anderen Mitteln. Worum es bei der Peta-Kampagne also geht, ist nicht ein Vergleich von Juden und Tieren, sondern ein Vergleich von Menschen und Tieren.

Rechtslastigkeit

Nicht minder absurd als der Antisemitismus-Vorwurf ist der Rechtslastigkeits-Vorwurf. Die Tierrechtsbewegung ist die logische Fortsetzung anderer Befreiungsbewegungen, wie der Befreiung der Sklaven oder der Emanzipation der Frauen. Immer ging und geht es darum, moralische Diskriminierungen aufgrund moralisch belangloser Merkmale zu erkennen und zu überwinden:

Wir haben erkannt, daß die Hautfarbe belanglos ist.
Wir haben erkannt, daß die Geschlechtszugehörigkeit belanglos ist. Und immer mehr Menschen sind im Begriffe zu erkennen, daß auch die Artzugehörigkeit moralisch belanglos ist:

Warum soll man jemanden quälen dürfen, weil er zu einer anderen Art gehört? Die Ausbeutung und Diskriminierung aufgrund der Art, aufgrund der Spezies, der Speziesismus, ist genauso willkürlich und falsch wie Rassismus und Sexismus. Wer Tierrechtlern Rechtslastigkeit vorwirft, muß konsequenterweise auch den Gegnern von Sklaverei, Rassismus und Sexismus Rechtslastigkeit vorwerfen.

Verwechslung

Die Peta-Kritiker verwechseln Vergleich und Gleichsetzung. Bei einem Vergleich gibt es immer Aspekte, die gleich sind, und Aspekte, die verschieden sind. Sonst wäre es ja kein Vergleich, sondern eine Gleichsetzung. Worauf es beim Vergleich ankommt, ist, daß sich das Verglichene in relevanter Hinsicht ähnelt. Und das ist beim Holocaust gegenüber Menschen und dem, was wir heute Tieren antun, ohne Zweifel der Fall:

"Die Opfer heute sind andere als damals, aber das System von Einpferchen, Missbrauch, Vorurteil und Abschlachten ist dasselbe. Alljährlich werden alleine in Europa zehn Milliarden Tiere in Konzentrationslagern, die wir 'Massentierhaltung' nennen, gepfercht. Nach vielen Jahren kontinuierlichen Leidens werden sie zusammengetrieben und mit LKWs bei jedem Wetter Hunderte von Kilometern gekarrt, bevor man sie durch die Tore zur Schlachtebene treibt und tötet. All dies geschieht, während der Durchschnittsbürger sein normales Leben lebt und seine Augen vor dem Leiden verschließt. Vergleiche mit dem Holocaust sind unausweichlich, nicht nur weil wir Menschen mit den Tieren die Fähigkeit des Leidens gemein haben, sondern auch weil die von der Regierung sanktionierte Unterdrückung von Abermillionen Lebewesen einfach hingenommen wird, obwohl jeder etwas tun könnte, um sie zu beenden." (Matthew A. Prescott)

Voreiligkeit

Petas Holocaust-Vergleich wird in aller Regel instinktiv und unbedacht verurteilt: als menschenverachtend, ungeheuerlich, geschmacklos, beleidigend, verharmlosend usw. Und dann geschieht, was immer geschieht, wenn voreilig und hysterisch bewertet wird, anstatt sich vorher einmal in Ruhe die Fakten anzusehen: Eine irrationale und hektische Verwirrung verhindert jede vernünftige Diskussion.

Selbstgerechtigkeit

Auf der ZDF-Homepage schreibt Stefan Meyer über Peta:
"Die Tierschützer bereiten für Deutschland die Parallelaktion zu ihrer umstrittenen Kampagne in den USA vor: Darin vergleichen sie die industrielle Haltung und Verarbeitung von Tieren mit dem Völkermord der Nazis. Sowohl im Internet als auch im Rahmen einer Wanderausstellung werden Bilder von Holocaust-Opfern neben ausgemergelten Kühen, eingesperrten Hühnern und abgeschlachteten Schweinen gezeigt. Ein ungeheurer Vergleich, bildlich wie gedanklich ungeheuerlich und nicht zu begreifen."

Hier wird übersehen, was in hysterischer Aufgeregtheit meist übersehen wird: Das Unbegreifliche einer Sache kann seine Wurzel auch im eigenen Unvermögen oder Unwillen, sie zu begreifen, haben.

Totschweigen

Worum geht es nun bei der Peta-Kampagne, sachlich, objektiv und vorurteilsfrei betrachtet? Es werden vergangene Massaker an Menschen gezeigt. Und es werden gegenwärtige Massaker an Tieren gezeigt. Nichts wird verharmlost. Nichts wird dramatisiert. Alles wird nüchtern dokumentiert.

Was soll, was KANN daran falsch sein? Was kann daran falsch sein, die Fakten zu zeigen? Fakten vorsätzlich zu unterschlagen, hat einen Namen: Totschweigen.

Vergleichen von Menschen und Tieren

Warum soll der Mißbrauch von Menschen auf alle Fälle schlimmer sein als der Mißbrauch von Tieren? Warum soll der Mißbrauch von Menschen nicht mit dem Mißbrauch von Tieren verglichen werden dürfen? Was ist der moralische Unterschied zwischen Menschen und Tieren, der diese unterschiedliche Bewertung und Behandlung von Menschen und Tieren rechtfertigen soll?

Ist es die unterschiedliche Behaarung oder Anzahl der Beine? Oder ist es die höhere Intelligenz des Menschen? Aber warum soll man jemanden quälen dürfen, weil er weniger intelligent ist?

Ist es die unsterbliche Seele des Menschen? Aber WIELANGE ein Wesen lebt, ist doch für die Frage, wie wir es behandeln, WÄHREND es lebt, bedeutungslos. Und wenn wir wirklich eine unsterbliche Seele haben, dann haben wir auch eine Aussicht auf eine ausgleichende Gerechtigkeit im Jenseits, die uns für hier erlittenes Leiden und Unrecht entschädigt. So gesehen, müßten wir Tiere sogar BESSER behandeln, weil sie nur dieses eine Leben und keine Aussicht auf ausgleichende Gerechtigkeit haben. (Tom Regan)

Der Punkt ist schlicht: Es gibt keinen Unterschied zwischen Menschen und Tieren, der unsere Bewertung und Behandlung von Tieren rechtfertigen könnte: "Die Frage ist nicht: können sie DENKEN? oder: können sie SPRECHEN?, sondern: können sie LEIDEN?" (Jeremy Bentham)

Aber auch die Merkmale, die beim Gefoltertwerden und Ermordetwerden keine Rolle spielen, stützen in keiner Weise die übliche Bewertung und Behandlung von Tieren. Denn KEIN Merkmal, das von irgendjemandem als moralisch relevant angesehen wird, verläuft entlang der Speziesgrenze Mensch - Tier. Mehr noch: Es gibt immer Menschen, bei denen das betreffende Merkmal sogar SCHWÄCHER ausgeprägt ist als bei vielen Tieren:

Viele geistig behinderte oder senile Menschen zum Beispiel, sowie alle kleinen Kinder befinden sich auf einem deutlich NIEDRIGEREN Niveau als viele Tiere - etwa Hunde, Katzen, Rinder und Schweine, denen wir in Versuchslabors, Tierfabriken und Schlachthöfen tagtäglich unsägliche Qualen zufügen.

An dieser Tatsache ist nicht zu rütteln. Tierrechtler ziehen daraus aber nicht den Schluß, daß die betroffenen Menschen schlechter als bisher behandelt werden sollten, sondern daß die betroffenen Tiere besser als bisher behandelt werden sollten!

Behandeln von Menschen und Tieren

Große Geister haben diese Erkenntnisse und Forderungen längst vorweggenommen. Mehr noch: Die folgenden Zitate sprechen darüber hinaus auch noch einen Punkt an, der bisher nur gestreift wurde und der zeigt, daß die Kritik an der Peta-Kampagne nicht nur unsinnig, sondern auch gefährlich ist: den psychologischen Zusammenhang zwischen unserem Umgang mit Tieren und unserem Umgang mit Menschen:

"Ich entsinne mich, dass ich während eines Urlaubaufenthalts von 1967 im russischen Wald bei Cavidovo zum ersten Mal eine solche 'Hühnerfabrik' gesehen und besucht habe und dass mein erster Eindruck - und er hat sich später nie geändert - der war: das muss für die armen Tiere ja schlimmer sein als was wir im Konzentrationslager die Jahre hindurch haben ausstehen müssen!"
Martin Niemöller

"Wo es um Tiere geht, wird jeder zum Nazi ... Für die Tiere ist jeden Tag Treblinka."
Isaac Bashevis Singer

"Auschwitz beginnt da, wo einer im Schlachthaus steht und denkt, es sind ja nur Tiere."
Theodor W. Adorno

"Seit ungefähr fünfzehn Jahren wird den Ethnologen in zunehmendem Maße bewußt, daß das Problem des Kampfes gegen Rassenvorurteile auf menschlicher Ebene ein viel umfassenderes Problem widerspiegelt, das noch dringender einer Lösung bedarf. Ich spreche von dem Verhältnis zwischen dem Menschen und anderen lebenden Arten. Es ist zwecklos, das eine Problem ohne das andere lösen zu wollen. Denn die Achtung gegenüber den eigenen Artgenossen, die wir vom Menschen erwarten, ist lediglich ein Einzelaspekt der allgemeinen Achtung vor allen Formen des Lebens."
Claude Lévi-Strauss

"Nichts wird ... die Chancen für ein Überleben auf der Erde so steigern wie der Schritt zu einer vegetarischen Ernährung."
Albert Einstein

"Der Tag wird kommen, an dem das Töten eines Tieres genauso als Verbrechen betrachtet werden wird wie das Töten eines Menschen."
Leonardo da Vinci

"Solange es Schlachthäuser gibt, wird es Schlachtfelder geben."
Leo Tolstoi

Es gibt einen naheliegenden und bei Lichte besehen geradezu selbstverständlichen Zusammenhang zwischen unserem Umgang mit Tieren und unserem Umgang mit Menschen. Zwei vergleichsweise harmloses Beispiele mögen dies verdeutlichen:

Ein Bauer hat eine Kuh, einen Esel und ein paar Hühner, mit denen er über Monate und Jahre "unter einem Dach" lebt und "zusammenarbeitet", indem er die Milch der Kuh und die Eier der Hühner verwendet sowie den Esel seinen Karren ziehen läßt. Sobald seine "Kameraden" ihm aber nicht mehr nützlich sind, erschießt er sie oder hackt ihnen den Kopf ab.

Oder der übliche Umgang mit Gänsen, den ein Redakteur der "Salzburger Nachrichten" offenkundig auch noch ziemlich lustig findet: "Die Gänse folgen Tag für Tag dem Hüter voll Vertrauen ins Nachtquartier. Sie werden demnächst ebenso vertrauensselig wie ahnungslos hinter ihm zur Schlachtbank marschieren."

Kann wirklich irgendjemand, der sich auch nur ansatzweise um ein unbefangenes Urteil bemüht, allen Ernstes glauben, daß ein solches treu- und herzloses Verhalten gegenüber Tieren ohne Einfluß auf den Umgang mit Menschen bleibt? "Ethik gegenüber dem Menschen und Roheit gegenüber den Tieren", schreibt Robert Jungk, "sind zwei Verhaltensweisen, die sich nicht vereinbaren lassen, denn Grausamkeit gegen Tiere geht nahtlos in Grausamkeit gegen Menschen über."

Jüngste Forschungsergebnisse

Der Zusammenhang zwischen Grausamkeit gegenüber Tieren und Grausamkeit gegenüber Menschen ist zwar seit langem bekannt, wurde aber erst in jüngerer Zeit wissenschaftlich erforscht. Im folgenden zitiere ich aus der Dissertation "Zum psychologischen Zusammenhang zwischen der Gewalt gegenüber Tieren und der Gewalt gegenüber Menschen" von Astrid Kaplan (Universität Klagenfurt, 2003).

Kaplan zeigt, daß Gewalt gegenüber Tieren und Gewalt gegenüber Menschen oft gemeinsam auftreten und sich wechselseitig aufschaukeln. (S. 87) So haben etwa "alle Kinder, die in den letzten Jahren an den verheerenden Schulmassakern beteiligt waren, ... vorher an Tieren 'geübt'." (S. 121) Eine US-Studie aus dem Jahre 1997 zeigt, daß Jugendliche, die wegen Tiermißbrauch verurteilt wurden, fünfmal (!) wahrscheinlicher Gewalt gegenüber Menschen ausüben. (S. 152)

In einer Arbeit für die US-amerikanische Bundespolizei heißt es: "Mörder ... fangen oft damit an, als Kinder Tiere umzubringen und zu quälen." Fast alle Serienmörder haben Tiere gequält, bevor sie Menschen umbrachten. (S. 154)

Beeindruckend und beängstigend sind auch die sozioökonomischen, "vernichtungstechnischen" und forschungshistorischen Zusammenhänge. "Die Ausbeutung von Tieren war und ist das Modell und diente und dient als Inspiration für die Gräueltaten, die Menschen einander antun", schreibt Kaplan, um dann, den renommierten Holocaust-Forscher Charles Patterson ("Eternal Treblinka") referierend, darzustellen,

  • wie die Versklavung von Tieren ("Domestikation") zur Versklavung von Menschen führte,

  • wie die Fließbandschlachtung von Tieren zur Fließbandschlachtung von Menschen (Holocaust) führte, und

  • wie die Tierzucht zu Zwangssterilisation, Euthanasie und Genozid führte. (S. 162)

Leider können diese Zusammenhänge und Entwicklungen hier nicht systematisch dargelegt werden, weshalb wir uns mit biographischen und psychologischen Splittern begnügen müssen:

  • Der T4-Chefmanager (T4 steht für das NS-Euthanasie-Programm) Victor Brack hatte ein Diplom in Agrarindustrie der Universität München.

  • Der Koordinator des Organisationsbüros für die Euthanasie behinderter Kinder, Hans Hefelmann, hatte ein Doktorat in Agrarwissenschaften.

  • Bevor Bruno Bruckner im Tötungszentrum Hartheim arbeitete, war er Portier in einem Linzer Schlachthaus.

  • Willi Mentz, ein besonders sadistischer Wärter in Treblinka, war vorher Melker. (S. 196)

  • Heinrich Himmler entschloß sich erst nach seinem kommerziellen Mißerfolg als Hühnerzüchter, Menschenzüchter zu werden. (S. 192)

  • Ulrich Graf, Hitlers persönlicher Leibwächter, war vorher Schlächter. (S. 197)

In Robert Jay Liftons Buch "Ärzte im Dritten Reich" erläutert der SS-Arzt Dr. B. den Prozeß der Anpassung an den Massenmord:

"Wenn Sie zum ersten Mal eine Selektion sehen .... ( ... ) Sie sehen, wenn Kinder und Frauen selektiert werden. Dann ist man so geschockt, daß man also ... das kann man nicht beschreiben. Und nach wenigen Wochen kann man es gewöhnen. Und das kann man ... niemand erklären. ( ... ) Das kann man nur erleben .... ( ... ) Aber ich glaube, ich kann Ihnen einen Eindruck verschaffen. Wenn Sie ... einmal in ein Schlachthaus gehen, wo Tiere geschlachtet werden. Es gehört auch der Geruch dazu ... nicht nur die Tatsache, daß die umfallen und so weiter. Sie werden wahrscheinlich kein ... das Steak schmeckt nicht mehr. Und wenn Sie es zwei Wochen lang jeden Tag machen, dann schmeckt Ihnen Ihr Steak so gut wie früher auch." (S. 180 f.)

Der jiddische Literaturnobelpreisträger Isaac Bashevis Singer, der im Holocaust viele Familienmitglieder, darunter seine Mutter und seinen jüngeren Bruder, verlor, schreibt im Vorwort zu einem Buch über den Vegetarismus (S. 232):

"Solange Menschen das Blut von Tieren vergießen, wird es keinen Frieden geben. Es ist nur ein kleiner Schritt vom Töten von Tieren zu den Gaskammern Hitlers und zu den Konzentrationslagern Stalins. ( ... ) Solange Menschen mit Messer oder Pistole dastehen, um jene umzubringen, die schwächer sind als sie, wird es keine Gerechtigkeit geben."

 

Justizterror gegen den für die Heuchler und Tierausbeuter unbequemen Tier-Mensch-Vergleich

Im Mai 2006 veranlasste der Genfer Untersuchungsrichter Léonardo Malfanti eine Hausdurchsuchung des Redaktionsbüros der VgT-Medien (VgT-Nachrichten, ACUSA-News, www.vgt.ch) mit Beschlagnahmung des Archiv-Exemplars der ACUSA-News AN06-1. Alle anderen der 350 000 Exemplare waren längst in der Westschweiz verteilt, teils an Abonnenten, teils regional gestreut.

Diese Zwangsmassnahme stellt einen massiven Eingriff in die Pressefreiheit dar. Sinngemäss wurde als Begründung vorgeschoben: Die Bezeichnung der katastrophalen Zustände in Hühnerfabriken als "détention concentrationaire" (KZ-artige Tierhaltung) sowie der Vergleich zwischen Tier-KZ und der Folterung von Tieren zur Herstellung von Pelzmänteln stelle eine grobe Verharmlosung des Holocausts dar, was gemäss dem Antirassismus-Maulkorbgesetz (StGB 261bis) strafbar sei. Dies zeigt wieder einmal, wie vielfältig dieser Gummi-Artikel für politische Zwecke missbraucht werden kann. Der politische Zweck war einmal mehr, das Aufdecken des trotz Tierschutzgesetz landesweit bestehenden Massenelendes der Nutztiere mit Staatsterror zu behindern. Dabei spielt die verbreitete Vorstellung mit, der Vergleich von Menschen mit Tieren sei grundsätzlich unzulässig.

Die Tabuisierung des Mensch-Tier-Vergleiches hat seine psychologischen Wurzeln im verdrängten schlechten Gewissen der grossen Mehrheit dieser Gesellschaft, insbesondere auch der Machthabenden, die sich an der grausamen Ausbeutung der Nutztiere durch ihr Konsumverhalten beteiligen.

Die Pharma- und Medizinal-Industrie dagegen geht von einer derart weitgehenden Ähnlichkeit aus, dass die an Mäusen, Katzen, Hunden etc getestete Giftigkeit von Chemikalien und die Wirksamkeit und die Nebenwirkungen von neuen Medikamenten auf den Menschen übertragen werden könnten. Obwohl sich in dieser Hinsicht immer wieder verhängnisvolle Unterschiede zwischen Menschen und Versuchstieren ergeben, wird an diesem Glauben festgehalten. Diese Gleichsetzung von Mensch und Tier empfinden die Machthabenden ebensowenig anstössig wie die Grausamkeit der Tierversuche. Wenn es um das Leiden der Versuchstiere geht, wird die Ähnlichkeit zum Säugetier Mensch dann wieder völlig ausgeblendet. Diese zwiespältige Moral kann nicht damit erklärt werden, bei den Tierversuchen gehe es nur um die biologische Ähnlichkeit, denn dies trifft zum Beispiel bei Tierversuchen mit Antidepressiva und andern Psychopharmaka offensichtlich nicht zu. Zudem ist die Fähigkeit, Schmerzen, Leiden und Angst zu empfinden, eine biologisch bedingte Eigenheit eines Lebewesens und hat nichts mit dessen schulischer Erziehung und inellektuellen Fähigkeit zu tun.

Wie weit - je nach Fragestellung - Menschen und Tiere ähnlich sind, ist diskutabel. Undiskutabel klar ist jedenfalls, dass nach dem heutigen Stand der Biologie, der (Tier-)Psychologie und der Ethik der Mythos der absoluten Einzigartigkeit und Unvergleichbarkeit des Menschen mit anderen höheren Säugetieren unhaltbar ist. Im Gegenteil besteht hinsichtlich der in Tierschutzfragen besonders interessierenden Fähigkeit, Freude und Leid, Angst und Hoffnung, Schmerzen und Leiden zu empfinden, eine sehr weitgehende Analogie, was kein seelisch gesunder Mensch bestreiten kann, der zum Beispiel einen Hund wirklich kennengelernt hat. Die biologischen Tatsachen (Nervensystem) und die Tierpsychologie lassen keinen anderen Schluss zu als der, dass höhere Säugetiere Menschen sehr ähnlich sind, wenn es um Schmerzen, Leiden und Angst geht - und das ist das allein Entscheide im Hinblick auf den Tierschutz. Der berühmt Verhaltensforscher Konrad Lorenz hat dies so formuliert: "Ein Mensch, der ein höheres Säugetier wirklich genau kennt und nicht davon überzeugt wird, dass dieses Wesen ähnliches erlebt wie er selbst, ist psychisch abnorm und gehört in die psychiatrische Klinik, da eine Schwäche der Du-Evidenz ihn zu einem gemeingefährlichen Monstrum macht." (aus: Spiegel 1988/Nr 47, Seite 254)

Der Begriff Du-Evidenz wird im Lexikon der Tierschutzethik von Gotthard Teutsch wie folgt erklärt:

"Die Du-Evidenz bedeutet, dass einem Lebewesen ein zunächst beliebiges anderes Lebewesen durch intensive Begegnung zum individuellen, unverwechselbaren und insofern auch unersetzlichen Partner wird. Du-Evidenz ist sowohl gegenseitig wie auch einseitig möglich und setzt keine rational verarbeitete Wahrnehmung des anderen voraus, sondern beruht auf Erleben und Emotion, also Möglichkeiten und Fähigkeiten, die schon beim Kleinkind und beim Säugetier gegeben sind. Auf der gleichen Basis der Emotionalität beruht das der Du-Evidenz notwendigerweise komplementäre Ich-Bewusstsein, das aus dem Erleben und Erfahren eines "Du" notwendigerweise entsteht. Die Ich-Du-Beziehung zwischen Mensch und Tier wird gelegentlich auch von der Philosophie aufgegriffen. Jedenfalls hat Martin Buber im Nachwort von 1957 zu seinem Buch "Ich und Du" intuitiv eine wichtige Spur gefunden: "Wenn wir nicht bloss zu anderen Menschen, sondern auch zu Wesen und Dingen, die uns in der Natur entgegentreten, im Ich-Du-Verhältnis stehen können, was ist es, das den eigentlichen Unterschied zwischen jenen und diesen ausmacht?..."

Eine ausserordentlich weitgehende, geradezu verblüffende Ähnlichkeit im ganzen Wesen (Verhalten, Empfinden) besteht zwischen Kleinkindern und höheren Säugetieren.

 

Alle Argumente, welche vorgebracht werden können, um das Leiden von Tieren geringer zu werten als das von Menschen, können zB auch vorgebracht werden in Bezug auf Kleinkinder, geistig Schwerinvalide und Demente. Seltsamerweise ist aber nicht bestritten, dass diesen Individuen der volle rechtliche und moralische Schutz zu gewähren ist, wie gesunden Erwachsenen. Warum nicht auch den Tieren? Alle Versuche dies zu rechtfertigen, sind objektiv unhaltbar und basieren auf egoistisch bequemen Vorurteilen und Schutzbehauptungen.

Bei gleicher Leidensfähigkeit gibt es keinen rationalen Grund, das Leiden von Tieren geringer zu bewerten als das Leiden von Menschen, zB Kleinkindern oder geistig Behinderten. Für viele Menschen ist diese Feststellung heute noch schockierend. So kommt es denn immer wieder zu aufgebrachten Demonstrationen, wenn der australische Philosoph Peter Singer irgendwo als Redner auftritt. Singer hatte in seinem Bestseller "Befreiung der der Tiere" aus der Gleicheit der Leidensfähigkeit eine konsequente Tierrechtsphilosophie abgeleitet. Danach verlangt die gleiche Leidensfähigkeit auch den gleichen Schutz vor Leiden. Kleindkinder und Tiere müssten demnach gleichermassen vor Schmerzen, Angst und Leiden im weiteren Sinne geschützt werden, was natürlich krass mit dem heutigen Umgang mit Nutz- und Versuchstieren kontrastiert. Dementsprechend wird Singer massiv angefeindet von allen, die am Status quo ein Interesse haben. Da Singers Argumente sachlich nicht widerlegt werden können, wird er absichtlich missverstanden, durch Verdrehen seiner Aussagen verleumdet und bei öffentlichen Auftritten niedergeschrieen und am Reden gehindert.

Wer den Vergleich menschlichen Leidens mit dem Leiden anderer höherer Säugetiere für unzulässig hält, hat das Wesentliche noch nicht begriffen und verschliesst Verstand und Herz vor den biologischen und tier-psychologischen Tatsachen. Meistens sind dies Fleischfresser, welche das schlechte Gewissen, das sie unter den heutigen Bedingungen, wie Nutztiere gehalten werden, haben müssten, auf diese Weise verdrängen. Indem sie den Menschen weit über alles stellen, rechtfertigen sie nicht nur ihren Beitrag zum Massentierelend, sondern stellen sich auch noch als Humanisten und gute Christen dar. In dieser Hinsicht besteht eine erschreckende Analogie zur Geisteshaltung, welche die Nazi-KZs ermöglicht hat.

Solche Menschen - insbesondere auch Richter -, welche andere Lebewesen anhand unhaltbarer Kriterien diskriminieren, sind nicht qualifiziert, mir Rassendiskriminierung vorzuwerfen (siehe Schächtprozess).

Diese Menschen, welche sich über Vergleiche, anstatt über die dahinterliegenden grausamen Missstände empören, sind selber das beste Beispiel dafür, dass "politisch korrekt" formulierte sachliche Argumente nicht genügen und nur unbeschönigte, für sie schockierende Darstellungen einen Denkprozess und eine Bewusstseinsentwicklung in Gang zu setzen vermögen, wenn überhaupt. In dieser Situation ist eine empörte Reaktion schon besser als gar keine. Aufbegehren und Ablehnen ist häufig die zweite Stufe in einem Entwicklungsprozess und bedeutet, dass die erste Stufe, das Nicht-zur-Kenntnis-nehmen, überwunden ist.


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